Der Family Barometer 2026 von Julius Bär und EY zeigt: Nur 2,3 Prozent der sehr vermögenden Unternehmerfamilien sind voll auf Verkauf oder Übergabe vorbereitet. Die größte Hürde ist die Einigkeit in der Familie.
Auf einen Blick
- Studie
- Family Barometer 2026
- Ausgabe
- sechste, erstmals mit EY
- Befragte
- über 700 Finanzfachleute
- Voll vorbereitet
- 2,3 %
- Teilweise vorbereitet
- 56,3 %
- Nicht vorbereitet
- 29,5 %
- Nachfolge bereit
- 22,6 %
- Bremse Uneinigkeit
- 80 %
- Ziel nach Verkauf
- Vermögenserhalt, 79,4 %
Wenn ein Familienunternehmen den Besitzer wechselt, geht es um weit mehr als den Kaufpreis. Das zeigt der Family Barometer 2026, den das Zürcher Bankhaus Julius Bär am 20. Oktober 2026 veröffentlicht hat. Die Studie erscheint zum sechsten Mal und wurde erstmals gemeinsam mit Ernst & Young (EY) erstellt. Sie begleitet sehr vermögende Unternehmerfamilien von der Vorbereitung eines Verkaufs oder einer Übergabe bis zum Leben nach dem Ausstieg.
Nur wenige sind wirklich bereit
Familienunternehmen bleiben die wichtigste Vermögensquelle sehr vermögender Familien, in der Branche UHNW genannt, für Ultra High Net Worth. Auf den Moment, in dem das Eigentum übergeht, sind jedoch vergleichsweise wenige vorbereitet. Laut Studie gelten lediglich 2,3 Prozent der UHNW-Unternehmerfamilien als umfassend auf einen Verkauf oder eine Übertragung vorbereitet. 56,3 Prozent sind es nur teilweise, 29,5 Prozent gar nicht. Auch bei der Nachfolge wird es eng: Nur 22,6 Prozent der nächsten Generation gelten als bereit und qualifiziert, das Familienunternehmen zu übernehmen.

Die größte Hürde ist die Einigkeit
Steht ein Verkauf auf der Tagesordnung, umfasst die Vorbereitung weit mehr als finanzielle und technische Fragen. 80 Prozent der Befragten nennen fehlende Einigkeit innerhalb der Familie als Faktor, der die Vorbereitung erschwert. Steuerliche Überlegungen folgen mit 55,4 Prozent erst danach, ebenso Fragen der Governance und der rechtlichen Strukturen. Als häufigste Ursache für Meinungsverschiedenheiten nennen 60,6 Prozent die emotionale Bindung an das Unternehmen. Dahinter folgen unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Ausrichtung der Firma und abweichende Erwartungen an ihren Wert.
Die nächste Generation sitzt dabei oft nur am Rand. 45,6 Prozent der Familien beziehen sie zwar in die Überlegungen zu einem möglichen Verkauf ein, räumen ihr aber kein Stimmrecht ein. Aktiv und gleichberechtigt an der Diskussion beteiligt sind die Jüngeren nur in 18,5 Prozent der Familien.
Das Leben nach dem Verkauf
Mit der Unterschrift unter den Vertrag ist die Arbeit nicht getan. Nach einem Ausstieg steht für 79,4 Prozent der Befragten der Erhalt des gemeinsamen Familienvermögens an erster Stelle. Es folgen die Klärung der Rollen in der Familie und die Suche nach einem neuen Lebensziel. Aus einem konzentrierten Betriebsvermögen wird ein liquides, breit gestreutes Vermögen, das anders geführt werden will. Zusätzliche Expertise brauchen Familien laut Studie am häufigsten in der Vermögensplanung einschließlich der Nachfolgeregelung. Anlagevehikel und Single Family Offices gehören zu den Strukturen, die nach einem Verkauf am häufigsten erwogen werden.
Dabei unterscheiden sich die Regionen deutlich. In Europa und Lateinamerika steht der Erhalt des Vermögens im Vordergrund, Familien in Asien und im Nahen Osten messen dem langfristigen Wachstum größeres Gewicht bei.
Was Familien weltweit beschäftigt
Über den Verkauf hinaus fragt der Family Barometer nach den allgemeinen Prioritäten sehr vermögender Familien. Wie schon im Vorjahr steht die Nachfolgeregelung weltweit an der Spitze, gefolgt vom Aufbau eines familiären Vermächtnisses und von den individuellen und familiären Entwicklungsmöglichkeiten. Unter den Anlageprioritäten nennen die Befragten die geopolitische Diversifikation vor dem Schutz vor Inflation und vor Immobilienanlagen. Als wichtigste gesellschaftliche Anliegen gelten weiterhin Steuern, die Übertragung von Vermögen zwischen den Generationen und politische Stabilität.
So entstand die Studie
Herausgeber des Family Barometer sind Julius Bär und EY Switzerland. Grundlage ist eine Umfrage unter mehr als 700 Finanzfachleuten, darunter Fachleute beider Häuser sowie unabhängige externe Beraterinnen und Berater. Sie betreuen sehr vermögende Kundinnen und Kunden in verschiedenen Regionen und Disziplinen, von der Kundenbetreuung über Steuern und Recht, Family Offices und Vermögensplanung bis zu Kapitalanlage und Consulting. Die Zahlen geben damit die Einschätzung der Beratenden wieder, nicht eine Befragung der Familien selbst.
milinia berichtet hier über eine Veröffentlichung des Hauses. Der Beitrag ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung und keine Empfehlung.
Teilen


