Barren, Münzen und Schmuck aus einem Nachlass haben einen Materialwert, den du selbst ausrechnen kannst. Wie Feingehalt, Feinunze und Tageskurs zusammenspielen, warum der Ankaufspreis darunter liegt und wie du Angebote fair vergleichst.
Kurz gesagt
- Materialwert = Gewicht × Feingehalt × Kurs. Eine 750er Kette mit 20 Gramm enthält 15 Gramm Feingold.
- Eine Feinunze sind 31,1035 Gramm reines Metall. Krügerrand und Maple Leaf enthalten je eine Unze, ein 20-Franken-Vreneli 5,81 Gramm, ein Sovereign 7,32 Gramm.
- Anlagemünzen werden nach Metall gerechnet, Sammlermünzen nach Seltenheit, Jahrgang und Erhaltung. Erst sortieren, dann wiegen.
- Der Ankaufspreis liegt unter dem Materialwert, weil Scheidung und Handelsspanne bezahlt werden müssen. Vergleiche Angebote deshalb in Prozent des Materialwerts.
Erst sortieren, dann rechnen
Ein Nachlass enthält selten nur eine Sorte Edelmetall. Typisch ist eine Mischung: ein Barren aus dem Bankschließfach, ein paar Goldmünzen in Kapseln, eine Schatulle mit Ringen, Ketten und Ohrschmuck, dazu Einzelstücke aus Silber. Wer alles zusammen auf eine Waage legt und sich einen Gesamtpreis nennen lässt, verschenkt fast immer Geld. Denn jede dieser Gruppen folgt einer eigenen Wertlogik: Barren und Anlagemünzen sind reines Rechenwerk, Schmuck ist Material oder Objekt, Sammlermünzen sind ein Markt für sich.
Sortiere deshalb zuerst in Gruppen: Barren, Anlagemünzen, mögliche Sammlermünzen, Schmuck und Bruch, Silber. Schmuck trennst du zusätzlich nach Punze, also nach dem eingeschlagenen Feingehalt. Nichts reinigen, nichts polieren, nichts aus Fassungen brechen: Was dabei verloren geht, bezahlt dir hinterher niemand.
Feingehalt und Feingewicht
Die Punze nennt den Anteil des reinen Edelmetalls in Tausendsteln. 999 ist Feingold, 750 bedeutet 75 Prozent Gold (18 Karat), 585 bedeutet 58,5 Prozent (14 Karat), 333 nur 33,3 Prozent (8 Karat). Den Rest bilden Silber, Kupfer, Zink oder Palladium. Bei Ringen sitzt die Punze innen an der Schiene, bei Ketten am Verschluss. Fehlt sie, ist das kein Beweis für Unechtes; ein Ankäufer prüft dann mit Prüfstein, Säure oder Analysegerät.
Entscheidend ist nicht das Gewicht des Stücks, sondern sein Feingewicht: Gewicht mal Feingehalt. Eine Kette mit 20 Gramm und Punze 750 enthält 15 Gramm Feingold, ein Armband mit 20 Gramm und Punze 333 nur 6,66 Gramm. Beide sehen golden aus, der Unterschied im Wert ist mehr als das Doppelte.
| Punze | Karat | Goldanteil | Feingold in 10 g |
|---|---|---|---|
| 999 | 24 | 99,9 % | 9,99 g |
| 916 | 22 | 91,6 % | 9,16 g |
| 900 | 21,6 | 90,0 % | 9,00 g |
| 750 | 18 | 75,0 % | 7,50 g |
| 585 | 14 | 58,5 % | 5,85 g |
| 333 | 8 | 33,3 % | 3,33 g |
916 tragen Krügerrand und Sovereign, 900 das Vreneli und viele historische Goldmünzen.
Feinunze und Gramm
Barren und Anlagemünzen rechnen in Feinunzen. Gemeint ist die Troy-Unze mit 31,1035 Gramm, nicht die Haushaltsunze mit rund 28 Gramm. Der Goldpreis wird international je Feinunze notiert, Ankäufer und Kursseiten rechnen ihn meist zusätzlich auf das Gramm um. Für die Umrechnung genügt eine Zeile: Kurs je Unze geteilt durch 31,1035 ergibt den Kurs je Gramm.
Wichtig ist bei Münzen das Wort fein. Ein Krügerrand wiegt 33,93 Gramm, weil er aus 916er Gold mit Kupfer besteht, enthält aber genau eine Feinunze. Ein Maple Leaf aus 999,9er Gold wiegt 31,1 Gramm und enthält ebenfalls eine Unze. Ein 20-Franken-Vreneli wiegt 6,45 Gramm bei 900er Gold und enthält 5,81 Gramm Feingold, ein britischer Sovereign wiegt 7,99 Gramm bei 916er Gold und enthält 7,32 Gramm. Bei gängigen Anlagemünzen steht das Feingewicht also für jeden Typ fest, die Waage dient nur noch der Kontrolle.
Die Formel für den Materialwert
Materialwert = Gewicht × Feingehalt × Kurs je Gramm. Mehr steckt nicht dahinter. Steine, Perlen, Stahlfedern, Uhrwerke und Kunststoff werden vorher abgezogen, weil sie kein Edelmetall sind. Silber, Platin und Palladium rechnest du genauso, nur mit dem jeweiligen Kurs: Silber trägt meist 925, 835 oder 800, Platinschmuck meist 950.
Ein Beispiel mit Annahmen: Der Goldkurs liege bei 100 Euro je Gramm Feingold. Diese runde Zahl ist ausdrücklich kein aktueller Kurs, sie macht die Rechnung nur leicht nachvollziehbar. Für deinen Nachlass setzt du den Kurs des Tages ein.
| Position | Feingehalt | Feingewicht | Materialwert |
|---|---|---|---|
| Barren 100 g | 999,9 | 99,99 g | 9.999 € |
| 2 Krügerrand, je 1 Unze | 916,7 | 62,21 g | 6.221 € |
| 5 Vreneli, 20 Franken | 900 | 29,03 g | 2.903 € |
| Kette 20 g | 750 | 15,00 g | 1.500 € |
| Ringe 12 g, ohne Steine | 585 | 7,02 g | 702 € |
| Armband 10 g | 333 | 3,33 g | 333 € |
| Summe | 216,58 g | 21.658 € |
Annahme: Goldkurs 100 Euro je Gramm Feingold, kein aktueller Kurs. Reiner Materialwert ohne Abzüge, kein Angebot.
Die Summe ist der reine Metallwert. Für Barren und Bruchgold ist sie die Messlatte, an der du jedes Angebot misst; für Stücke mit Sammler- oder Markenwert ist sie nur die Untergrenze. Den Goldrechner auf milinia stellst du auf den Tageskurs und rechnest damit Position für Position durch.
Anlagemünze oder Sammlermünze

Krügerrand, Maple Leaf, Vreneli und Sovereign sind Anlagemünzen. Sie wurden in großen Auflagen geprägt, ihr Feingewicht steht fest, und ihr Preis folgt im Wesentlichen dem Metallkurs. Händler rechnen sie wie Barren: Feingewicht mal Kurs, dazu je nach Typ und Nachfrage ein kleiner Auf- oder Abschlag. Beim Vreneli liegt der Marktpreis im deutschsprachigen Raum häufig etwas über dem reinen Goldwert, weil die Münze sehr gefragt ist.
Sammlermünzen funktionieren anders. Ihr Wert entsteht aus Seltenheit, Jahrgang, Prägestätte und Erhaltung. Er kann den Materialwert um ein Vielfaches übersteigen, bei häufigen Stücken aber auch kaum erreichen. Ein seltener Jahrgang oder ein anderes Münzzeichen macht aus zwei gleich aussehenden Münzen zwei sehr verschiedene Preise, und wer eine Sammlermünze nach Gewicht verkauft, gibt genau diesen Unterschied weg. Gereinigte oder polierte Münzen verlieren ihren Sammlerwert dauerhaft, gelochte oder mit einer Öse versehene Stücke fallen aus dem üblichen Handel und werden meist nur noch als Material bewertet.
Praktisch heißt das: Alles, was nicht eindeutig eine gängige Anlagemünze ist, kommt auf einen eigenen Stapel und wird einzeln angesehen, bevor jemand eine Waage benutzt. Alben, Etuis, Zertifikate und alte Kaufbelege bleiben beim Stück.
Warum der Ankaufspreis unter dem Materialwert liegt
Der Börsenkurs gilt für bereits raffiniertes Feinmetall in handelsüblicher Form. Altgold, Bruch und Schmuck müssen eingeschmolzen, analysiert und in der Scheideanstalt getrennt werden. Diese Scheidekosten, die Prüfung, das Kursrisiko bis zum Weiterverkauf und die Marge des Händlers liegen zwischen Kurs und Auszahlung. Bei Barren und Anlagemünzen in gutem Zustand ist der Abstand klein, weil sie ohne Einschmelzen weiterverkauft werden. Bei gemischtem Bruch und vielen Kleinteilen ist er größer, bei größeren, sortenreinen Posten wieder kleiner. Typische Spannen für Altgold stehen in unserem Ratgeber Altgold verkaufen.
Bei Markenschmuck, signierten Stücken, guten Steinen und Uhren kann der erzielbare Preis dagegen deutlich über dem Materialwert liegen. Solche Stücke gehören nicht in den Schmelztiegel, sondern zu jemandem, der das Objekt bewertet und nicht nur das Metall.
Angebote vergleichen, ohne sich zu verrechnen

Ein Angebot ist nur so gut wie seine Nachvollziehbarkeit. Bevor du Zahlen vergleichst, sorge dafür, dass alle Ankäufer auf derselben Grundlage rechnen:
- Position für Position. Lass dir jede Gruppe einzeln aufstellen: Gewicht, festgestellter Feingehalt, Feingewicht, Kurs, Abzug, Auszahlung. Ein Pauschalpreis für die ganze Schatulle ist nicht vergleichbar.
- Kurs mit Datum. Frag nach dem zugrunde gelegten Kurs mit Währung und Zeitpunkt. Nur dann kannst du ein Angebot vom Montag mit einem vom Donnerstag vergleichen.
- In Prozent rechnen. Teile die Auszahlung durch den Materialwert zum selben Kurs. Diese Quote ist die einzige Zahl, die zwischen Tagen und Anbietern vergleichbar bleibt.
- Wägung im Beisein. Gewogen wird auf einer geeichten Waage vor deinen Augen, Steine und Fremdteile werden sichtbar abgezogen.
- Sammlerstücke getrennt. Wer Sammlermünzen oder Markenschmuck nur nach Gramm bewertet, macht dir ein Materialangebot für ein Objekt.
- Schriftlich und ohne Zeitdruck. Ein seriöses Angebot gilt auch, wenn du eine Nacht darüber schläfst. Ankäufer verlangen einen Ausweis und dokumentieren den Ankauf; ab bestimmten Beträgen schreibt das Geldwäscherecht das vor.
Ein Beispiel vom Zürichsee: Kurse zum Nachrechnen
Wie Transparenz aussehen kann, zeigt Timeless & Sons, ein Handels- und Auktionshaus in Feldbach am oberen Zürichsee. Das Haus veröffentlicht auf seiner Kursseite die Kurse für Gold, Silber, Platin und Palladium in Schweizer Franken, je Gramm Feinmetall und je Feinunze. Darunter stehen Werttabellen nach Feingehalt für 1, 10 und 100 Gramm sowie ein Materialwert-Rechner. Der zeigt bewusst nur den reinen Feinmetallwert, also Gewicht mal Feingehalt mal Kurs, ohne Handelsmarge und ohne Aufschläge für Marke oder Sammlerwert, und sagt ausdrücklich, dass er kein Kaufangebot ist. Genau so sieht eine faire Vergleichsbasis aus: Du rechnest mit derselben Zahl wie der Ankäufer.
Auch der Ablauf im Haus folgt dieser Logik. Gewogen wird auf Präzisionswaagen im Beisein der Kundschaft, der Feingehalt wird über Punze und Prüfverfahren bestimmt, und das Ergebnis kommt als schriftliche Aufstellung, Position für Position. Münzen trennt das Haus nach Anlage- und Sammlerwert, bevor gerechnet wird; auf seiner Seite zu Münzen erklärt es beide Wertlogiken und warum gereinigte Münzen an Wert verlieren. Nachlässe sichtet das Haus auf Wunsch auch beim Kunden zuhause. Liegt ein Nachlass in der Schweiz, kommt es direkt infrage; für alle anderen ist es ein Maßstab dafür, was du von jedem Ankäufer verlangen kannst.
Steuern: was in Deutschland grundsätzlich gilt
Gewinne aus dem Verkauf von physischem Gold, also Barren und Münzen, sind in Deutschland ein privates Veräußerungsgeschäft. Für Silber, Platin und Palladium in Barren- oder Münzform gilt dasselbe. Liegt zwischen Anschaffung und Verkauf mehr als ein Jahr, ist der Gewinn steuerfrei. Innerhalb eines Jahres ist er steuerpflichtig, sofern deine Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften im Kalenderjahr zusammen die Freigrenze von 1.000 Euro erreichen. Bei geerbten Stücken zählt die Haltedauer des Verstorbenen mit: Hat er das Gold vor mehr als einem Jahr gekauft, kannst du es in aller Regel steuerfrei verkaufen. Kaufbelege aus dem Nachlass hebst du deshalb auf, sie belegen das Anschaffungsdatum.
Davon getrennt ist die Erbschaftsteuer. Sie bemisst sich am Wert des Nachlasses, egal ob du die Stücke behältst oder verkaufst, und hängt von Freibeträgen je Verwandtschaftsgrad ab; mehr dazu im Beitrag Erbschaft: Freibeträge, Testament, Schenkung. Wo du verkaufst, ändert an deiner deutschen Steuerpflicht nichts. Wer Edelmetall über eine Grenze bringt, klärt vorher die Zollregeln beider Länder: Goldmünzen und Goldbarren mit hohem Feingehalt zählen beim Grenzübertritt in die EU oder aus ihr zu den Barmitteln, die zusammen mit Bargeld ab 10.000 Euro anzumelden sind.
Dieser Abschnitt ist ein allgemeiner Überblick und keine Steuer- oder Rechtsberatung. Bei größeren Nachlässen lohnt sich ein Gespräch mit einer Steuerberatung, bevor verkauft wird.
Der Fahrplan in fünf Schritten
- Sortieren: Barren, Anlagemünzen, mögliche Sammlerstücke, Schmuck nach Punze, Silber. Nichts reinigen.
- Wiegen: mit einer Küchen- oder Briefwaage vorwiegen, Steine und Fremdteile grob abziehen.
- Rechnen: Feingewicht je Position ermitteln und mit dem Tageskurs multiplizieren.
- Bewerten lassen: Sammlerstücke und Markenschmuck einzeln einschätzen lassen, bevor irgendetwas eingeschmolzen wird.
- Vergleichen: zwei oder drei schriftliche Angebote einholen und als Prozentsatz des Materialwerts nebeneinanderlegen.
Zum Ausprobieren
GoldrechnerGewicht, Feingehalt, Goldpreis: Der Materialwert von Schmuck, Barren und Münzen, auch als Ankaufsspanne.Häufige Fragen
Was ist eine Feinunze?
Die Troy-Unze mit 31,1035 Gramm reinem Edelmetall. In ihr werden Gold, Silber, Platin und Palladium international gehandelt. Ein Krügerrand wiegt mehr als 31,1 Gramm, enthält aber genau eine Feinunze Gold.
Warum zahlt kein Ankäufer den vollen Materialwert für Altgold?
Weil Bruch und Schmuck eingeschmolzen, analysiert und in der Scheideanstalt getrennt werden müssen. Diese Kosten und die Handelsspanne liegen zwischen Börsenkurs und Auszahlung. Bei Barren und Anlagemünzen in gutem Zustand ist der Abstand kleiner.
Muss ich geerbtes Gold beim Verkauf versteuern?
In Deutschland in der Regel nicht, wenn zwischen dem Kauf durch den Verstorbenen und deinem Verkauf mehr als ein Jahr liegt, denn seine Haltedauer wird dir angerechnet. Die Erbschaftsteuer ist davon unabhängig. Im Einzelfall hilft eine Steuerberatung.
Soll ich alte Münzen vor dem Verkauf reinigen?
Nein. Reinigen und Polieren hinterlassen feine Kratzer und nehmen die Patina, für die Sammler bezahlen. Eine gereinigte Sammlermünze bleibt dauerhaft weniger wert, im ungünstigen Fall zählt nur noch das Metall.
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